Auf den Rollstuhl angewiesen
Stefan Schmölz wirbt bei Schülern um Verständnis für
Behinderte
Weiden. (os) Mit elf Jahren bekam er Gleichgewichtsstörungen. Häufiges
Stolpern machte ihn zum verspotteten Tollpatsch. Bald war er gelegentlich,
als 20-Jähriger für immer auf den Rollstuhl angewiesen. Heute
weiß der in München lebende 27-jährige Stefan Schmölz,
dass er an einer seltenen, kaum erforschten Erbkrankheit leidet. Therapieansätze
gibt es und Krankengymnastik, aber noch keine Medikamente. Und die Krankheit,
die Stefan mit erstaunlichem Lebensmut erträgt, schreitet fort. Ein
hartes Schicksal: lebenslänglich auf den Rollstuhl angewiesen, aber
ein Schicksal, das - aus den unterschiedlichsten Ursachen - jeden treffen
kann.
Stefan Schmölz sprach vor Mittelstufenschülern des Kepler-Gymnasiums
zum Thema „Behinderung". Er steht im Dienst der „Arbeitsgemeinschaft Behinderter
in den Medien", die mit ausgesuchten Filmen und anschließenden Diskussionen
zu einem objektiven Bild über Behinderungen der unterschiedlichsten
Art beitragen will. Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft gehen bewusst in
Schulen. Jugendliche sollen so behinderte Menschen und deren Alltag zwanglos
kennen lernen und deren Anderssein akzeptieren.
Stefan Schmölz zeigte unter anderem den halbstündigen Film
„Leben und Werk des Mark O'Brien". Dieser erkrankte mit sechs Jahren an
Polio und lebte dann über vierzig Jahre in Kalifornien in einer „Eisernen
Lunge". Nur selten konnte er kurz die Maschine verlassen. Unter deprimierenden
Umständen, bis zum Hals in dem Gerät, bediente er mit seinem
Mund über ein Stäbchen eine Schreibmaschine. Dennoch wurde er
ein bedeutender Journalist und Schriftsteller. Der Film vermittelte Einblicke
in seine Probleme mit Betreuern, Mitmenschen und mit der Sexualität
und Gott.
Einige Aussagen des Films vertiefte Stefan Schmölz im Gespräch
mit den Schülern. Ein weiterer Film, aufgenommen fürs Fernsehen
mit einer versteckten Kamera, zeigt ihn selbst im Rollstuhl bei Alltagssituationen:
Im Straßenverkehr, beim Telefonieren und an Rolltreppen ist er auf
fremde Hilfe angewiesen. Die Hilfsbereitschaft der Mitmenschen war groß,
aber keineswegs für jeden selbstverständlich. Der Organisator
dieses Projekts, Oberstudienrat Veit Wagner, bedankte sich sehr herzlich
bei Stefan Schmölz und seinem Begleiter. |